Projekt Heimat. Heute: Neuharlingersiel II.

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Moin miteinander!

Haben wir Zeit für einen kurzen Exkurs? Ich denke. Also: Bei uns sagt man einmal „Moin“, nicht zweimal, wie viele irrtümlich denken. Ich habe mich ein bisschen schlau gelesen und herausgefunden, dass „Moin“ als kurzes, schnottriges Grußwort, seit mehr als 200 Jahren existiert und seinerzeit aus Berlin quasi importiert von Handwerkern und Reisenden. Wer hätt’s gedacht? Jedenfalls hat „Moin“ seine Wurzeln überall hin ausgeschlagen, – Ostfriesland, Schleswig-Holstein, Dänemark, ja sogar Luxemburg und die Schweiz!

Hier in Ostfriesland sagt also jeder „Moin“. Und „Moin“ heißt nicht nur „Guten Morgen“, es heißt auch „Guten Tag“, „Guten Abend“, „Schönes Wetter heute“ und „Wir müssen wichtige Dinge bereden“. Ein klassischer Allrounder, dieses „Moin“.

Und vor allem: keiner guckt einen schief an, wenn man ihm ein kurzes „Moin“ entgegen schmettert. Aber Vorsicht: Nicht zu übereifrig, der Ostfriese an sich ist ja eher herb und sachlich. Wie die Küste eben. Man kriegt, was man sieht. So kann es also auch vorkommen, dass man auf sein fröhliches „Moiiiiiiin!“ nur ein daher genuscheltes, knappes „Moin.“ zurück bekommt. Das kann manchmal ganz irritierend sein, der Ostfriese meint es aber nicht böse. Und immerhin hat man ein „Moin“ bekommen, das ist doch die Hauptsache. Mittlerweile hat sich meine „Moin“-Kultur soweit etabliert, dass ich, wenn ich zu Besuch in der alten Heimat Mecklenburg-Vorpommern bin, auch ständig „Moin“ sagen will. Aber ich beiße mir regelmäßig auf die Zunge, denn dann wird man wirklich schief angeguckt. „Moin“ gehört in die Region, in die es eben gehört. Woanders fühlt es sich schon auf der Zunge falsch an.

Aber genug zum Thema „Moin als globales Grußwort“. Ich wollte eigentlich noch ein bisschen von Neuharlingersiel erzählen. Wie ihr wisst, bin ich in diesem Jahr als Heimatentdeckerin unterwegs und beschreibe, was ich so entdeckt habe. Bei unserem Spaziergang in Neuharlingersiel haben wir ein wunderschönes Café gefunden, in das ihr unbedingt gehen solltet!

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Das Café „Störmhuus“ liegt direkt auf der Deichkrone und ermöglicht dem Gast so einen wunderschönen Blick auf die Nordsee, den Hafen, dieses herrliche Stückchen Erde.

Störmhuus heißt übrigens Sturmhaus. Wie das Ganze nun zusammenhängt, habe ich leider nicht erfragt. Frau wird vergesslich. Aber ich könnte mir eine romantische Geschichte dazu vorstellen, in der Seemänner und die große Liebe und natürlich der große Sturm vorkommen. Vielleicht erzähle ich sie euch einmal…

Nun. Jedenfalls hat dieses wunderschöne Gebäude schon von Weitem meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Was man nicht sieht: Das „Störmhuus“ hat eine große Dachterrasse, auf der man im Sommer bei Sonnenschein sehr gemütlich (und ein Stück näher am Himmel) seinen Tee trinken kann.

neuharlingersiel_stoermhuus1Von 11 bis 18 Uhr hat das „Störmhuus“ geöffnet und auf der Karte finden sich neben Tee und Kuchen auch Eis und Suppen. Muss man nicht zusammen essen, übrigens.

neuharlingersiel_stoermhuus2Kleine Randnotiz: Die Wände in dem Café sind alle so uneben weiß verputzt. Ich mag das, das hat etwas urgemütliches!

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neuharlingersiel_stoermhuus5Der maritime Einschlag darf natürlich nicht fehlen.

neuharlingersiel_stoermhuus7Nach einem langen Spaziergang mit einer ordentlichen Portion Wind sind wir also mit roten Wangen und kalten Fingern im „Störmhuus“ gelandet und wurden von den leckersten Waffeln der Welt begrüßt.

neuharlingersiel_stoermhuus6Wer mag, nimmt gleich die volle Dröhnung: mit Puderzucker, heißen Kirschen, Vanilleeis und Sahne. Sehr lecker!

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neuharlingersiel_tee1Das Highlight für mich als alten Tee-Junkie war natürlich das Kännchen Ostfriesentee, original in der weiß-blauen Tasse. Dazu gab’s Kluntje (Kandiszucker) und Sahne. Getrunken werden darf soviel, wie man vertragen kann, ist ja schließlich Koffein drin, im Tee. Oder eben bis die Kanne leer ist. Romantisch daran ist hauptsächlich die ostfriesische Gemütlichkeit, denn da sitzt man nun, zu Zweit um die Kanne Tee auf dem Stövchen und schenkt sich ein und fragt „noch Tee?“ und fühlt sich ungemein entspannt. Gut Tee will Weile haben, und so genießt man, rührt vor sich hin und spielt mit dem knackenden Kluntje in der Tasse herum. Zumindest ich tue das gern. Der Freund schmeißt gar keinen „Klunni“ in den Tee.

Was die Preise im „Störmhuus“ angeht, kann ich sagen: Voll in Ordnung. Wir haben für Waffeln und haufenweise Tee ca. 14 € bezahlt, das finde ich durchaus gerechtfertigt. Vor allem, wenn es so ein schönes, uriges Ambiente noch dazu gibt!

Und vielleicht noch ein Wort zum Service: Unaufdringlich, sehr freundlich und schnell. Wir waren rundum zufrieden!

Wenn ihr also in Neuharlingersiel seid und nach einem schönen Plätzchen sucht, mit ostfriesischen Charme und einem leckeren Angebot an Kuchen, kulinarischen Kleinigkeiten und Tee – dann auf ins Störmhuus! Und bei gutem Wetter unbedingt die Dachterrasse ansteuern.

Das Störmhuus findet ihr übrigens hier:

Am Hafen Ost 2, 26427 Neuharlingersiel
Tel: 04974/225

Alles Liebe,

Katja

Hey there lovelies!
You might know it already, I am exploring my home away from home and love to share my discoveries here with you. Last time I told you about the beautiful town called „Neuharlingersiel“ at the coast of east frisia. Today I am here to tell you about a pretty café we found in Neuharlingersiel, the „Stoermhuus“ which means „Stormhouse“. I missed talking to the owner about the name but I guess it was some sort of shelter from the storm in the old days. You can find the „Stoermhuus“ at the harbor of Neuharlingersiel and it looks so pretty! It is a perfect place to have a cup of hot black tea and eat some waffles. The boyfriend and I however were really in love with this place. There’s also a roof-deck where you can enjoy your cup of tea in the sun. We will definitely try that next time we go there but by the time we went, it was waaaay too windy for that! Anyways. This is a place I can highly recommend – the prices are fine, the waitress was very nice and the whole spirit of this café is very „east frisian“ with lots of love. If you ever come here: Let me know! ❤ Katja


14 Gedanken zu “Projekt Heimat. Heute: Neuharlingersiel II.

  1. herrlicher Artikel! Mir als Oldenburger wurde mein erstes Moin schon vor dem ersten Klaps von der Hebamme entgegengeworfen. 😉 liebe Grüße, MIchael

  2. bei meinen eltern gibt es seit dem ersten ostfriesland urlaub auch immer ostfriesen tee.
    da mein dad öfters beruflich dort ist, wird er auch immer direkt importiert. mit kluntje und einem schuss sahne… sehr lecker!

    das störmhuus hört sich nach einem sehr urigen plätzchen an.

  3. Hey Katja, oh ja bei mir gibts auch fast täglich ein Kännchen Ostfriesentee – einfach zu lecker! Und wenn immer die Zeit da ist, wird das Teetrinken auch gerne mal so richtig zelebriert. 🙂 Inka und ich von duoincrime kommen nämlich aus Leer..da wird man ja zum lebenslangen Teetrinker geboren. 🙂 Viele Grüße aus Bremen, Rikje

  4. Haha, immer wenn wir in Papas alter Heimat Urlaub machen brauch ich ewig, bis ich mich ans Moin gewöhnt hab (und werd mit meinem euphorischen „Haalloo“ komisch angeschaut) und grad, wenn ich mich dran gewöhnt haben, müssen wir schon wieder abreisen 😦
    Aber Ostfriesentee ist super, der bringt die Urlaubsgefühle dann nach Hause 🙂

  5. Ich kann mir ein Leben ohne „Moin“ nicht mehr vorstellen. Ich sag das überall. Ständig. Am Telefon, im Geschäft – obwohl es in Bremen gar nicht soooo angesagt ist. Aber es gibt mir ein verwurzeltes Gefühl und man hat nicht die quälende Wahl zwischen „Hallo“ und „Guten Tag“.

    Mehr Ostfriesenimpressionen und Seegang bitte! Ich les das gern!

    1. siehste! da sag ma einer, bloggen macht dumm. wieder was dazu gelernt! vielen dank für die info ❤

  6. Moin,
    in meiner alten Heimat (Emsland) sagt man auch gerne Moin. Ich liebe das Wort!
    Es macht Spaß bei Dir auf dem Blog zu lesen. Grosses Lob. Tolle Bilder und Rezepte und,und, und.. 😉
    LG jaja 🙂

    1. oh, lieben dank für die netten worte, das freut mich sehr! und ich freue mich, dich hier öfter zu sehen dann 😉 alles liebe, katja

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