Projekt Heimat. Heute: Tee.

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Moin, ihr Lieben!

Wenn man in Ostfriesland wohnt, kommt man an einer Sache nicht vorbei: Tee. Die drei Buchstaben, die Musik in meinen Ohren sind!

Bevor ich hier gelebt habe, habe ich Tee schon geliebt – Fencheltee, Pfefferminztee, Kamillentee – diese Leidenschaft wurde mit meinem Umzug nach Ostfriesland noch um eine große Liebe ergänzt: Ostfriesentee. Das Gold Ostfrieslands.

Ostfriesentee an sich ist ein sehr dunkler schwarzer Tee, der aus über 20 verschiedenen Teesorten besteht, hauptsächlich aber aus Assam. Der Ostfriese trinkt im Schnitt 290 Liter Tee im Jahr, damit überholt er sogar die asiatischen Länder, die ja quasi die Teekultur erfunden haben.

neuharlingersiel_stoermhuus4Im 17. jahrhundert fand der Tee seinen Einzug in ostfriesische Haushalte, zunächst über Indien auf dem Seeweg, bereits 100 Jahre später war er aus dem ostfriesischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Zwischendurch hat Friedrich II. versucht, den Ostfriesen das Teetrinken abzugewöhnen und sie dazu zu bringen, mehr Bier zu trinken, denn im Gegensatz zu den heimisch vorhandenen Bierzutaten wurde der Tee ja immer importiert und das war teuer. Nun, dieses Vorhaben hat nicht geklappt, die Ostfriesen begannen, heimlich Tee zu schmuggeln und der Schwarzmarkt boomte. Zwei Jahre später gab Friedrich II. auf und die Ostfriesen durften wie gehabt Tee schlürfen. Während der Weltkriege herrschte ein extremer Teemangel, die Bürger Ostfrieslands erhielten nur rationierte Portionen Tee und wieder blühte der Handel auf dem Schwarzmarkt.

TeeIhr seht, Ostfriesen haben schon immer viel Wert auf ihren Tee gelegt und das ist bis Heute so geblieben. Tee ist Ausdruck von Gemütlichkeit, von Gastfreundschaft – ein Ruhepol in dieser unruhigen Zeit. Man schmeißt nicht einfach nur einen Teebeutel in einen Becher, der Ostfriese setzt eine Kanne losen Tees an, hält sie auf einem Stövchen (also einen kleinen Ofen für Teekannen) warm, stellt Kluntje (Kandis) und Sahne auf den Tisch und serviert vielleicht ein paar Kekse oder selbst gebackene Waffeln dazu.

Teetrinken braucht seine Zeit, und diese Zeit muss man sich auch nehmen.

langeoog standesamt4Im Übrigen heißt es sehr schön: „3 Tassen sind Ostfriesenrecht!“ Der Ostfriese trinkt also typischerweise mindestens 3 Tassen Tee nacheinander. Ganz klassisch mit einem Kluntje und einem sogenannten „Wolkje“, einem Sahnewölkchen.

Serviert wird der Tee übrigens in speziellen Teetassen, die kleiner sind, als die regulären Kaffeetassen, die ihr vielleicht kennt. Das Dekor, das ihr oben sieht, ist das am meisten verbreitete, die Teerose. Hübsch, oder?

strandhalle langeoog2Wie läuft das denn nun mit dem Teetrinken?

Tja, zu Beginn muss erst einmal der Tee angesetzt werden. Hier scheiden sich die Geister ob der richtigen Prozedur. Da ich kein Experte bin, begebe ich mich nicht auf das dünne Eis und philosophiere darüber, wie man den Tee nun richtig zubereitet. Ihr mögt es mir verzeihen und bei eurem Ostfrieslandbesuch vielleicht einfach mal in ein Teemuseum gehen und an einer traditionellen Teezeremonie teilnehmen. Jedenfalls, wenn er fertig ist und duftend auf dem Stövchen steht, läuft das Ganze so ab:

1. Kluntje aussuchen und in die Tasse legen
2. Tee darauf schütten, dabei darauf achten, dass die Tasse nicht ganz voll ist
3. Dem Knistern des Kluntjes lauschen
4. Ein paar Mal umrühren – an dieser Stelle sagt euch ein Urostfriese mit Sicherheit, dass man Tee nicht umrühren sollte, damit man am Ende ein zuckersüßes Pfützchen Kluntje-Tee-Mischung genießen kann!
5. Trinken.
6. Das Ganze beliebig oft wiederholen. Wichtig ist dabei, dass ihr, wenn ihr nicht mehr möchtet, den Löffel in die Tasse stellt. Das ist sozusagen das Zeichen dafür, dass ihr fertig seid. Ich wusste das am Anfang natürlich nicht und habe Tasse um Tasse brav getrunken, bis mir schlecht wurde.

neuharlingersiel_tee2Trotzdem haben Ostfriesentee und ich uns angefreundet. Mehr als das.

Ostfriesentee ist eine wunderbare Sache, finde ich. Für mich die wichtigste halbe Stunde des Tages. Seit vielen Jahren trinke ich täglich mindestens drei Tassen Tee und möchte diese schöne Tradition nicht missen.

 

Schwarzer Tee eignet sich im Übrigen nicht nur zum Trinken! Hier habe ich eine kleine DIY Liste für euch:

Schwarzer Tee als Fensterreiniger
Eistee
Malen mit Tee
Schnelle Hilfe gegen müde Augen
Haarpflege
Eierfärben mit schwarzem Tee

So. Und nun wünsche ich euch, dass euch einmal ein Ostfriese auf eine Tasse Tee einlädt (oder drei), mit knisterndem Kluntje und einem kleinen „Wolkje“, wenn euch danach ist.

Kennt ihr vielleicht schon Ostfriesentee? Liebt ihr ihn auch so sehr, wie ich?

Alles Liebe!

Katja

 

 

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14 Gedanken zu “Projekt Heimat. Heute: Tee.

  1. Änna schreibt:

    Eine wunderschöne kulturelle Beschreibung 🙂
    Ich mag Tee auch sehr gerne und da ich mich gerade in Asien befinde, probiere ich mich hier durch dieTeekarten Koreas. Sich jeden Tag eine halbe Stunde Auszeit bei 3 Tässchen Tee zu gönnen finde ich eine wunderbare Tradition, die ich mir auch bei uns im Westen gerne aneignen würde.

  2. Stephi schreibt:

    Sehr schön geschrieben, aber Du hast in Deiner Aufzählung der „Teezeremonie“ das Wolkje vergessen. Das kommt nach dem Tee. Und sieht so toll aus, wenn die Sahne aufsteigt. Und: Ich bin zwar kein Ostfriese, aber UMRÜHREN geht GAR NICHT!!! 😉
    Liebe Grüße,
    Stephi

  3. Mareen [eeny] schreibt:

    Bei meinen Eltern gibt es seit Jahren auch jeden Tag Ostriesentee, obwohl wir in Oberschwaben zuhause sind. Der Tee ist sozusagen ein Urlaubsmitbringsel vom jährlichen Nordsee-Urlaub. Da mein Dad öfters beruflich im Norden zu tun hat, importiert er immer Ostfriesentee und Kluntje. Ab und an überrascht er meine Mom auch mal mit einem neuen Teeservice. So ein halbes Stündchen auszeit für ein paar Tässchen Tee ist immer wieder schön.

  4. Täbby schreibt:

    Ich mag Tee ja in meinem Alltag nicht so gerne. Mal ab und zu mit netten Leuten eine Tasse trinken ist okay, aber mehr nicht.
    Dein Post ist trotzdem total toll und es war richtig schön, ihn zu lesen 🙂
    Liebe Grüße

  5. Hanna schreibt:

    Ich habe eine Zeit in Ostfriesland gewohnt und komme gerade in diesem Moment von einer Kurzreise aus Emden wieder. Ich mag die ostfriesische Teetradition ebenso und habe mir angewöhnt, sie auch an meinem neuen Wohnort einzuführen. Sollte ich aus Stressgründen mal nicht dran denken, ist es mein Freund, der darauf aufmerksam macht, dass wir ja noch Tee machen müssen;)

    Schöner Post war das! Toll zu lesen!

  6. Corinna schreibt:

    Ein schöner und interessant geschriebener Artikel. Ich glaube, ich bin der einzige Teetrinker in Bari und Umgebung. In Ostfriesland könnte es mir gut gefallen und ich fiele auch gar nicht mehr auf. 🙂

  7. Farina schreibt:

    In Sachen Schwarztee geht nichts über Ostfriesentee 🙂 Ich schwöre ja auf Bünting Grünpack, den es hier im Süden leider nicht zu kaufen gibt. Deswegen importiere ich immer massenweise, wenn ich zuhause bei meiner Familie war 😉
    Liebe Grüße!

  8. Helmut schreibt:

    Ich bin ein absoluter Tee-Junky. Ich trinke eigentlich jeden Tag meines Lebens Tee.
    Wenn es an die 30 Grad warm ist trinke ich kalten Tee, aber bei so einem Herbstwetter wie jetzt ist eine schöne heiße Tasse Tee einfach Geil.

    tolle Fotos!

  9. tomcake schreibt:

    ohja sehr schön! ich bin in ostfriesland geboren, also mit dieser zeremonie aufgewachsen und nun aber letztes jahr nach hessen gezogen – aber ich lade meine freunde alle zum ostfriesenteetrinken ein, was hier vorher keiner kannte, und die findens super! zurecht! 😀
    LG

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