Die Welt schaut Heute nach Brasilien…

…. und ich auch.

Wisst ihr, ich gucke sonst kein Fußball. Ich habe auch keine Ahnung von Fußball. Ich weiß grob, worum es geht und mittlerweile kenne ich auch die meisten Spieler mit Namen. Dass ein Spiel 90 Minuten dauert, es zwei Halbzeiten gibt und am Ende irgendwer gewinnt (oder eben nicht), das weiß ich auch gerade noch so.

Das Drumherum ist mir eigentlich echt egal.

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(für meine Arbeitskollegen, nach einer Idee von Andrea!)

Es sei denn, es ist WM. Da lasse ich mich gern von der allgemeinen Euphorie anstecken, backe Deutschland-Kuchen, zaubere Deutschland-Snacks und gucke jedes Spiel „unserer Mannschaft“. Selbstverständlich auch in diesem Jahr. Obwohl mir auch ein bisschen mulmig ist, ob der angespannten Situation um die WM herum. Brasilien ist kein reiches Land, viele Menschen sind bitterarm. Und doch wird dort ein Fest ausgetragen, das Millionen – wahrscheinlich Milliarden – verschluckt.

Man kann darüber streiten, ob man die WM sehen muss, oder nicht. Ich finde aber, dass Brasilien als Austragungsort der WM einen Blick wert ist.

Und das sehe nicht nur ich so, das sieht auch WACOM so. Erinnert ihr euch an mein das WACOM Bamboo Grafiktablett des Freundes? Ich liebe dieses feine Teil und benutze es immer noch ziemlich oft.

Wie kriegen wir denn jetzt den Bogen von Brasilien zum Grafiktablett?

Ganz einfach. Igor Shin Moromisato, ein Künstler aus Köln und selbst halb Brasilianer/halb Japaner, hat sich mit Wacom zusammengetan, um sein Heimatland Brasilien den Menschen auch abseits der WM näher zu bringen. Ich mag solche Ideen!

Auf seinen Karten, die er mit einem Wacom Intuos Grafiktablettgestaltet, stellt er Sehenswürdigkeiten der verschiedenen Austragungsorte der WM vor und gibt hilfreiche Insider-Tipps zu den Städten.

In Zusammenarbeit mit WACOM kann ich euch Heute eines seiner Kartendesigns vorstellen und die Erläuterungen dazu mit euch teilen:

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BRASILIA

Auch wenn die Leistung der eigenen Mannschaft bisher etwas zu Wünschen übrig lässt, ist die Euphorie in Brasilien zur WM weiterhin deutlich spürbar, natürlich auch in der Hauptstadt Brasilia. Und schon jetzt freut man sich in der Stadt auf das Spiel um Platz Drei, dann natürlich hoffentlich ohne die Seleção, die schon in Rio zum Finale erwartet werden. Ausnahmsweise steht Brasilia dann gerne im Schatten des besonders bei Touristen bekannteren Rio de Janeiro.

Zu Unrecht. Denn schon der Landeanflug auf Brasilia lässt einen die Schönheit der Stadt erahnen. Aus der Luft sieht die in den 50er Jahren vom Stadtplaner Lúcio Costa und dem berühmten Architekten Oscar Niemeyer auf dem Reißbrett entworfene Stadt aus wie ein Flugzeug. Ironischerweise hatte man dem Projekt zum Entwurf der neuen Hauptstadt in der Mitte des Landes den Codenamen „Plano Piloto“ (Leitplan) gegeben. Da von der ursprünglich kreuzförmig angedachten Form wenig zu erkennen ist, ist dies inzwischen ein Running Gag unter Einheimischen.

Der Städteplan Niemeyers rückte schon damals absichtlich die Catedral de Brasilia (1) ins Zentrum, die bis heute zu den auffälligsten architektonischen Gebäuden der Stadt zählt und natürlich auch bei den Touristen beliebt ist. Die Form erinnert äußerlich an eine Krone, im Inneren beeindrucken vor allem die bunten Glasfenster. Hier sollte man seine Städtetour unbedingt beginnen. Besonders, da es morgens noch nicht ganz so überlaufen ist. Nebenan liegt zudem das kuppelförmige Museu Nacional da República, das National Museum, das viele Werke von modernen und zeitgenössischen brasilianischen Künstlern beheimatet. Wer von Kunst nicht genug bekommt, sollte auch das Palácio dos Arcos(2), das Außenministerium, besuchen. Die Säulen des Gebäudes werden nach Einbruch der Dunkelheit bunt angestrahlt, aber auch tagsüber ist es natürlich ein beliebtes Fotomotiv.

Am Ende der sogenannten Monumentalachse der Stadt befindet sich der Nationalkongress (3) sowie viele weitere öffentliche Gebäude wie Botschaften, Konsulate und weiter Ministerien. Der Congresso Nacional bietet Führungen für Touristen an, aber auch ein Rundgang durch das Viertel lohnt sich schon, da man sich von der dortigen Architektur inspirieren lassen kann. Ich muss nicht erwähnen, dass das meiste aus der Feder Niemeyers stammt.

Aus Ort der Erholung wurde direkt nebenan ein künstlicher See erschaffen. Lago do Paranoá (4) ist inzwischen ein beliebtes Ausflugsziel, insbesondere für Wassersportler aller Art. Neben vielen örtlichen Sportvereinen haben sich hier aber auch viele Bars und Cafés niedergelassen, bei denen man sich bei tropischen Temperaturen ein kühles Getränk mit Blick auf das Wasser gönnen sollte. Direkt ins Auge springt einem dabei wohl die Juscelino Kubitschek Brücke (5), benannt nach dem ehemaligen brasilianischen Präsidenten. Was für San Franzisco die Golden Gate Bridge ist, ist die umgangssprachlich Ponte JK genannte, mehrfach ausgezeichnete Bücke für Brasilia.

So lange man den Ausblick auch gerne genießen möchte, sollte man dennoch weiter spazieren, am besten entlang des Piers. Hier sollte einen der Duft nach Essen eigentlich schon von alleine hinziehen, den nirgendwo sonst in Brasilia findet man so viele gute Restaurants an einem Fleck. Besonders nach Feierabend bis in die frühen Morgenstunden ist der Pier dicht besiedelt und die Plätze in den Bars heiß begehrt. Besonders junge Menschen machen in den ansässigen Clubs die Nacht zum Tag. Zur WM werden in den Lokalen natürlich auch alle Spiele übertragen.

Wer nicht mit dem Flugzeug anreist, aber dennoch Brasilia mal von oben betrachten möchte, sollte auf den Fernsehturm (7) steigen. Über den Dächern der Stadt kann man den Ausblick genießen. Der Aufstieg ist übrigens kostenlos – gut für die Reisekasse. Am Wochenende kann man das gesparte Geld direkt vor Ort reinvestieren, beim allwöchentlichen Trödelmarkt. Hier findet man alles was das Herz begehrt und garantiert das ein oder andere Souvenir.

Wer von der Schnäppchenjagd erschöpft ist, sollte sich im Stadtpark (8) entspannen. Der Park in Brasilia gilt als einer der größten innerstädtischen Parks der Welt mit vielen verschiedenen, teils exotischen Bäumen, Sträuchern und Pflanzen. Für einen Rundgang sollte man sich also viel Zeit nehmen. Auch die Einheimischen verbringen hier gerne ihre freien Stunden, denn die Hektik in der Stadt ist hier kaum spürbar und man kann alles ausblenden.

Am anderen Ende der Eixo Monumental angekommen, sieht man schon von weitem das Memorial JK (9) zu Ehren des ehemaligen Präsidenten Brasiliens, der nicht nur maßgeblich am Aufbau Brasilias beteiligt war, sondern im Land immer noch verehrt wird, da er entscheidende Maßnahmen für eine bessere Zukunft des Landes auf den Weg gebracht hat. Natürlich wurde auch das Memorial in dem der Präsident begraben liegt auch von Niemeyer entworfen. Hier erfährt man nicht nur viel über die politische Karriere von Juscelino Kubitschek sondern auch über seine Frau, der First Lady Brasiliens, die ebenso verehrt wird wie ihr Mann.

Nur wenige Minuten entfernt befindet sich jetzt das Estádio Nacional de Brasíli, das Nationalstadion (10). Wie die meisten Spielstätten wurde auch dieses extra für die WM neugebaut, basiert jedoch auf den Grundmauern des ehemaligen städtischen Stadions, das in 2010 abgerissen wurde. Zuvor wurde das Stadion auch für andere Anlässe benutzt, es fanden hier viele Konzerte und Kulturveranstaltungen statt. Dies ist nun vermutlich nicht mehr möglich, da die Innenfläche verkleinert wurde, um sich der Größe des Fußballfeldes anzupassen und gleichzeitig mehr Platz für Tribüne und Sitzplätze zu bieten. Ein Kritikpunkt bei vielen Einheimischen, da nun auch hier die Frage nach der Weiternutzung nach der WM und somit dem baldigen Spiel um Platz 3 im Raum steht.

Wie geht es euch mit der WM? Interessiert ihr euch für das Austragungsland, guckt ihr euch die Spiele einfach Zuhause an oder boykottiert ihr den ganzen „Apparat FIFA“ vielleicht sogar?

Wäre Brasilien für euch eine Reise wert?

Alles Liebe,

Katja

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5 Gedanken zu “Die Welt schaut Heute nach Brasilien…

  1. Salo schreibt:

    Das ist ein sehr cooler Eintrag 🙂
    EIn Mädchen aus meiner Klasse hat ein Auslandsjahr in Brasilien gemacht und ist nach den Pfingstferien wieder gekommen. Sie hat auch Bilder gezeigt und sehr sehr viel erzählt. Das ist echt super mal aus einem anderen Standpunkt etwas über das ‚Land der WM‘ zu erfahren. Ich bin gespannt wie das Spiel heute ausgeht, da meine Freundin auch meinte dass die Aufstände dort immer bedrohlicher werden, vor allem wenn Brasilien rausfliegen wird :/
    Liebe Grüße, Salo

  2. Kerstin Zarbock schreibt:

    Hallo, da hast Du Dir heute ein tolles Spiel zum Ansehen ausgesucht. Ich schaue ja auch sonst Fußball, kann aber im Moment nicht zum Public Viewing gehen. Ein gebrochener Fuß zwischen den Massen – nein besser nicht. So schaue ich zu Hause oder mit Freunden. Brasilien war noch kein Reiseziel, aber was ich so gesehen habe – ein schönes Land. Aber dieser lange Flug 😦 Liebe Grüße Kerstin

  3. kindderachtziger schreibt:

    Hallo Katja,

    ich verfolge im Deutschland-Trikot alle Spiele unserer Mannschaft, teils allein, zuletzt oft mit Freunden oder Familie, bisher immer bei einem von uns zu Hause. Nach dem Spiel gegen Frankreich habe ich mich spontan einem Autokorso durch die Innenstadt angeschlossen, das war sehr lustig. Da wir im Büro ein Tippspiel haben verfolge ich zumindest die Ergebnisse der anderen Spiele.

    Was das Austragungsland betrifft habe ich einige Berichte gelesen bzw. Videos gesehen, was die WM für Auswirkungen auf die Bevölkerung hat und wie viele Stadien nur für diese kurze Zeit gebaut wurden, sie werden danach leer stehen, da es keine Fußballmannschaft gibt, die sie nutzen könnte. Dieser Teil der WM ist für mich nicht weniger wichtig als die Spiele, dennoch glaube ich nicht, das ein Boykott den Menschen dort helfen würde. Es ist wie mit anderen Themen (z.B. Primark) auch, wenn man gar nicht kauft bzw. durchs Einschalten Werbeeinnahmen generiert, geht es den Menschen nicht besser. Dennoch sollte das Bewusstsein dafür da sein, was dort geschieht bei aller Freude über die Leistung unserer Mannschaft.

    Viele Grüße, Silke

  4. Christina schreibt:

    Ich gucke WM und Bundesliga und alles mögliche an Fußball-Ereignissen. Über das 7:1 gestern hab ich mich seeeeehr gefreut.
    Was die Stimmung in Brasilien angeht, mag das Spiel nun nicht gerade förderlich gewesen sein, kann aber auch als Katalysator für dringend notwendige Verbesserungen z.B. im Bildungssystem dienen.
    Denn die vorherigen Proteste werden so nicht mehr von der WM übertüncht und Dilma Roussef ist schon länger in der Pflicht, Verbesserungen bei Bildung, Verkehr etc. zu bringen…
    Letztenendes kommen die ganzen Spannungen und Probleme im Land nicht unerwartet, sie sind mit dem Fifa-Wahnsinn nur noch weiter hochgekocht – siehe Favela-Räumungen für Stadion-Parkplätze. Ich könnte als Politologin dir noch einen seitenweisen Aufsatz schreiben, weshalb und warum Brasilien sich so entwickelt hat, aber das erspar ich dir lieber 😉

    Viele Grüße
    Christina

    p.s.: die Karte von Igor Shin Moromisato gefällt mir richtig gut.

  5. Liesl schreibt:

    Hallo Katja!

    Toller Beitrag! Ich würde voll gern mal nach Brasilien, besonders jetzt nachdem ich diese nette Grafik mit den Sehenswürdigkeiten von Brasilia gesehn hab.. 🙂

    Zur WM und EM verpasse ich selten ein Spiel, wobei ich sonst nicht so Fußballbegeistern bin.. Schaue meistens mit/bei Freunden zu Hause, oder im nahe gelegenen Biergarten…
    Beim 7:1 gestern haben mir die Brasilianer wirklich schon sehr leid getan! Dennoch gratuliere ich den Deutschen sehr zum überragenden Halbfinal-Sieg! Bin schon gespannt wie’s am Sonntag ausgeht! 🙂

    Liebe Grüße aus Österreich
    Liesl ^^

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