Buchtipps mit Herz: David Levithan „Letzendlich sind wir dem Universum egal“

buchtipps mit herz

Letzten Freitag las ich David Levithans Every Day– zu Deutsch: Letztendlich sind wir dem Universum egal und als ich das Buch vier Stunden später beendete, wurden mir drei Dinge schlagartig bewusst: Ich bin nicht, wie geplant, freitagabends noch ausgegangen, habe dafür aber eins der besten Bücher der letzten Zeit gelesen und hatte zudem noch eins für euch gefunden.

„Wenn man ins Universum starrt, ist sein Mittelpunkt nur Kälte. Und Leere. Letztendlich sind wir dem Universum egal. Dem Universum und der Zeit. Deswegen dürfen wir einander nicht egal sein“

Stell dir vor, du könntest einen Tag in einem anderen Körper sein und einen Tag das Leben eines anderen führen! Das hat sich doch jeder schon einmal ausgemalt oder sogar gewünscht. Aber stell dir vor, du hättest nicht die Wahl. Du würdest jeden Tag in einem anderen Körper aufwachen – immer ahnungslos, wo du gerade bist und vor allem, wer du bist. Unbegreiflich, aber genauso sieht das Leben von A. aus.

„Jeden Tag bin ich jemand anders. Ich bin ich – so viel weiß ich – und zugleich jemand anders. Das war schon immer so.“

Manchmal ist A. ein Mädchen, manchmal auch ein Junge. Mal ist A. intelligent, mal eher faul. An einigen Tagen dick, an anderen Tagen dünn. Mal beliebt, mal einsam. Er bleibt immer nur einen Tag, dann zieht seine Seele weiter. Einen eigenen Körper hat er nicht. Daher hat A. für sich selbst einige Regeln aufgestellt: Verändere kein Leben. Hinterlasse keine Spuren. Lass dich nicht zu viel auf das Leben ein – es ist nicht deins.

Processed with VSCOcam with t1 preset
Doch dann ist es Tag 5594: A. wacht als Justin auf, einem ganz normalen Jugendlichen. Alles ist normal, bis er dessen Freundin kennenlernt – Rhiannon. Ehe er sich versieht, verliebt er sich in sie und ist bereit für sie alles zu verändern. Er wirft alle Regeln über Bord und greift radikal in die Leben der ‚Gastkörper‘ ein. Er schwänzt die Schule, fährt weite Strecken, nur um sie einmal kurz zu sehen. Doch das alles ist kompliziert, denn es ja Justin und überhaupt: Wie erklärt man jemanden, dass man keinen eigenen Körper hat? Dass man schon am nächsten Tag kein Junge mehr, sondern ein Mädchen sein könnte?

David Levithan, auch bekannt für Nick and Norahs Infinite Playlist oder Will Grayson, Will Grayson, hat mit diesem Buch eine ganz und gar wunderschöne Geschichte geschrieben. Natürlich klingt die Idee vom Körperwechseln zunächst sehr fantastisch, dennoch wirkt es glaubhaft, nicht zu sehr konstruiert. Zu Beginn war ich sehr skeptisch, ob solch eine Inszenierung wirklich über ein ganzes Buch bestehen kann, aber ja – es wirkt und es gibt dem Buch den eigentlichen Charme.

Processed with VSCOcam with f2 preset
So klingt es zunächst bloß nach einer weiteren Jugendliebe, aber durch genau diese Erzählweise ist die Geschichte von A. und Rhiannon weitaus mehr als das. Wie gesagt, es klingt etwas abstrus: Jeden Tag ein anderer Körper, ein anderes Leben – aber das bringt für mich das Wichtigste ins Spiel: Die verschiedenen Leben, die das Gerüst der Geschichte ausmachen. A. findet sich jeden Tag in einem anderen Leben wieder, aber er selbst ist immer der Gleiche. Genau das macht das Buch so genial. Er verschmilzt nicht mit dem illegalen Dienstmädchen, mit dem fettleibigen Jungen oder der depressiven Schülerin. Er befindet sich in mitten ihrer Leben, aber er ist immer noch er selbst. Genau das macht die Tragik des Buches auch aus: A. erlebt zwar alle Probleme, hat aber kaum die Chance die Probleme lösen zu können und muss unverrichteter Tatsachen nach nur einem Tag weiterziehen. Das größte Problem ist, dass A. keinen Halt durch andere Menschen findet. Es gibt keine langwierigen Beziehungen, keine wiederkehrenden Freunde, nichts hat Bestand – bis Rhiannon auf der Bildfläche erscheint und zunächst alles anders werden lässt.

„Du lernst, wie viel ein Tag tatsächlich wert ist, weil sie alle so verschieden sind. Wenn du die Leute fragst, was der Unterschied zwischen Montag und Dienstag war, werden dir die meisten erzählen, was es zum Abendessen gab. Ich nicht. Dadurch, dass ich die Welt aus so vielen Blickwinkeln sehe, habe ich mehr Gespür für ihre Dimensionen.“

Letztendlich sind wir dem Universum egal ist ein Buch vollgepackt mit Tragik, aber auch mit Lebensweisheiten und Botschaften an die Leser. Daher ist dieses Buch für mich wahrlich etwas ganz Besonderes: Ich wollte jede Zeile, jedes Wort aufsaugen. David Levithans Schreibstil ist leicht, flüssig und angenehm. Während des Lesens habe ich immer wieder mit Post-It’s die wichtigen Stellen markiert, die guten Zitate herausgeschrieben und merkte zum Schluß, dass ich fast das ganze Buch angestrichen habe. Es wirkt nicht so, als hätte Levithan nur eine Sekunde einen Hänger gehabt oder unliebsame Füller eingebaut. Jedes Wort, jedes Kapitel ist genau dort, wo es sein soll.


„Wir alle wollen, dass immer alles okay ist. Wir streben gar nicht so sehr nach phantastisch oder grandios oder hervorragend. Wir geben uns gern mit okay zufrieden, denn in den meisten Fällen ist okay völlig ausreichend.“

Ich hab dieses Buch geliebt.  
Es war lustig, atemberaubend, traurig, schön, herzzerreißend und absolut lesenswert. Egal, was ihr über den Inhalt denkt oder ob ihr vielleicht keine Jugendbücher lest – macht eine Ausnahme, denn dieses Buch ist auch eine.

Astrid

*Affiliate-Link

Advertisements

14 Gedanken zu “Buchtipps mit Herz: David Levithan „Letzendlich sind wir dem Universum egal“

  1. Anna schreibt:

    Liebe Astrid, mich hat deine Rezension überzeugt. Ich werde das Buch zu meiner Wunschliste hinzufügen. 🙂 Besonders das letzte Zitat, das du gewählt hast, ist so wahr, finde ich. Das trifft außerdem so gut meine momentanen Gedanken. Danke für den tollen Buchtipp. 🙂 ♡

  2. Nele schreibt:

    Das klingt ja super! Ich mag auch John Green und wollte will Grayson noch irgendwann einmal lesen, daher kommt auch dieses Buch sofort auf meine Wunschliste!

    Kleiner Hinweis zur Form der Rezension, ich fände es super, wenn der Link zum Buch unten auch noch mal käme. So lese ich die Rezension, bin dann begeistert und muss erst wieder hochscrollen und klicken, und dann wieder runterscrollen und kommentieren. 😉

    Ansonsten, super Rezension und total tolle Fotos! 🙂

    Liebe Grüße
    Nele

  3. Maribel schreibt:

    Das ist ein ganz wunderbarer Buchtipp, den ich mir zu Herzen nehmen werde und ihn definitiv auf meine Buchliste schreiben werde. Vielen Dank dafür – ich bin schon auf deine weiteren Tipps gespannt und freu mich, dass du ab jetzt auch hier mit dabei bist 🙂

  4. Lidia schreibt:

    Werde ich mir gleich als nächstes anschaffen danke für diesen Tipp. Bin gerade noch bei gone girl 🙂 LG aus Marling

  5. Posseliesje schreibt:

    Liebe Astrid,
    das Buch klingt wirklich toll. Habe mir schon eine Leseprobe heruntergeladen und am Wochenende wird geschmökert.
    Danke für den Tipp, Kerstin M.

  6. hopefray schreibt:

    Ich habe es auch schon gelesen und bin deiner Meinung. Das Buch ist ein kleiner Schatz – ich liebe es!
    Falls du Will & Will von David Levithan und John Green noch nicht gelesen hast, kann ich dir das auch nur empfehlen 🙂
    Alles Liebe
    hope

  7. Jana schreibt:

    Wow eine sehr schöne Rezenssion 🙂
    Ich habe schon die Leseprobe dazu gelesen und fand es auch echt interessant. Jugendbücher finde ich auch gut, muss nicht immer der krasseste Thriller sein.

  8. Gute Stube schreibt:

    Hallo Astrid,
    Das ist wirklich mal eine tolle und gut geschrieben Rezension, die Hunger auf mehr macht. Ich bin in den nächste drei Wochen viel unterwegs. Da freu ich mich schon drauf ein bestimmt sehr gutes Buch mitzunehmen das mir die langen Abende im Hotel vertreibt.

    Vielen Dank und liebe Grüße, Katrin

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.