#bloggerfuerfluechtlinge

bloggerfuerfluechtlinge
Hallo, meine Lieben!

Alle Welt spricht davon, wir hören es fast täglich in den Nachrichten: Menschen fliehen vor Tod, vor Hunger und vor politischer Verfolgung und suchen Asyl in unserem reichen Land. Ein Land, in dem es „normal“ ist als Ehepaar zwei teure Autos zu fahren und in dem wir für Markenklamotten viel zu viel Geld ausgeben. Oder für Kram, den kein Mensch braucht. Wo wir für eine Lampe 300 € bezahlen, weil sie „trendy“ ist. Wo wir uns kaum Gedanken darüber machen, unter welchen Bedingungen unsere ach-so-coole Mode produziert worden ist.

Aber das steht auf einem anderen Blatt.

Unter dem Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge machen Blogger gerade darauf aufmerksam, dass es die Möglichkeit gibt, Menschen in Not zu helfen. Traurig, dass man überhaupt darauf aufmerksam machen muss. Vor Kurzem haben der Freund und ich ein paar (!) Fahrräder, die wir noch herumstehen hatten, hier bei uns an Menschen weitergegeben, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge organisieren. Außerdem habe ich einen Riesensack Kleidung aussortiert, wirklich gute Kleidung, die mir aber entweder nicht mehr passte oder nicht mehr gefiel, und sie ebenfalls weitergegeben. Es hat nicht viel Zeit gekostet, es war kein großer Aufwand, das Ganze wurde sogar abgeholt und wir mussten uns im Prinzip um nichts kümmern. Und trotzdem kann unsere kleine „Spende“ helfen. Auf der Homepage von Blogger für Flüchtlinge könnt ihr euch informieren, was ihr wie wo bei euch vor Ort tun könnt. Außerdem könnt ihr Geld spenden, und das hilft ja bekanntlich am meisten.

Ein paar ernste Worte habe ich aber noch:

Ich habe beruflich schon länger auch mit Kindern bzw. Jugendlichen zu tun, die ihr Land verlassen mussten und hier unbegleitet aufgegriffen werden (sogenannte Unbegleitete minderjährige Asylsuchende, früher auch: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge) und die Geschichten, die man dann hört, von ihrer anstrengenden „Reise“, die oft Monate, wenn nicht sogar Jahre dauert, sind geprägt von äußerst widrigen Umständen, von der Angst um das eigene Leben,- davon, dass Mütter ihre Söhne losschicken, zum Onkel in Schweden oder oder oder, nur, um nicht sterben zu müssen. Diese Kinder und Jugendlichen haben gesehen, wie ihre Väter ermordet, ihre Mütter missbraucht worden sind.

Und wir maßen uns an, genervt zu sein, davon, dass sie in „unser Land“, wie es so schön heißt, kommen.

Ich bin ein Kind der DDR, – das kann man natürlich auf keinen Fall vergleichen -, aber auch hier gab es Republikflüchtlinge, die in „euer“ Land, das jetzt „unser“ Land ist, gekommen sind und sozusagen Asyl gesucht haben. Und damals wäre Niemand auf die Idee gekommen, zu sagen, dass wir keinen Platz haben, dass kein Geld da ist oder dass sie hier nichts zu suchen haben.

Wir sind Menschen. Und wir sollten uns bei der nächsten Designerlampe vielleicht wirklich einmal fragen, ob das die „große Erfüllung“ ist oder ob wir nicht stattdessen einfach mal den Schrank ausmisten oder eine Spende anschieben sollten.

Wenn Jeder nur ein bisschen tut, können wir viel bewirken.

Ich danke für eure Aufmerksamkeit und bin gespannt, was ihr zur Diskussion um Flüchtlinge, den „mangelnden Platz“, die „mangelnden finanziellen Mittel“ und die Menschlichkeit zu sagen habt.

Alles Liebe,

Katja

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11 Gedanken zu “#bloggerfuerfluechtlinge

  1. Jana schreibt:

    Finde ich einen sehr tollen und wichtigen Post. Echt schade, dass man es aber schreiben bzw. sagen muss. Bei uns im Nachbardorf kommen jetzt auch noch mehr Familien an und ich möchte dort auch meine Kleider abgeben und mal schauen, was man tun kann!

  2. Lisa schreibt:

    sehr wahre Gedanken! Wir haben in dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, ein Fluechtlingsheim und die Besitzer „vermitteln“ Hilskfraefte- also man kann zB eine Babysitterin, einen Maler, Koeche etc vermittelt bekommen, und als „Gehalt“ bekommen sie ein kleines Taschengeld und der Rest wird verwendet, um Deutschkurse zu bezahlen, Wohnungen zu mieten etc. Die Leute arbeiten und bekommen dadurch das Gefuehl, etwas nuetzliches zu tun, sie bekommen Geld, und uns ist auch geholfen!
    ICh finde die Aktion super, es muessen mehr menschen umdenken! WIr wissen schliesslich nie, ob wir nicht auch mal in eine Situation kommen, in der wir auf Hilfe anderer angewiesen sind!
    LieGrue

  3. schnipseltippse schreibt:

    Ich habe vor einigen Tagen auch darüber geschrieben, denn ich finde es ebenso wichtig, diese Menschen einfach mal richtig wahr zu nehmen, wenn sie uns auf der Straße begegnen. Anlächeln, grüssen, einfach das Gefühl geben, willkommen zu sein.
    Gestern lief eine Reportage über eine 16-köpfige syrische Familie (2 Brüder mit Familien), denen ein junger Mann, der selbst arm ist, ich glaube es war ein Serbe, spontan seine Wohnung zur Verfügung stellte für ein paar Tage.
    Das hat mich extrem berührt. Viele, die nicht viel haben, geben trotzdem und viele von denen, die alles im Überfluss haben, schmeißen ihr Geld für unnützen Kram aus dem Fenster, obwohl sie damit so viel Leid lindern könnten.
    Und dann gibt es noch diejenigen, die das Elend ausbeuten… die Schlepper. Wie können solche Typen nachts ruhig schlafen? Und wie diejenigen, die grölend vor Flüchtlingsheimen stehen?
    Man könnte nur noch heulen, bei dem was hier abgeht. Aber zu sehen, wie viele Leute dagegen aufstehen gibt auch wieder Trost. Vielen Dank für deinen Artikel.

  4. aussteiger geno schreibt:

    die mehrheit der deutschen hat angst vor den massen der zuwanderer und flüchtlingen. sie wollen die fremden nicht kennenlernen. sie sollten diese menschen aber freundlich willkommen heissen und dankbar sein, dass sie sich nicht genauso verhalten wie die kriegerischen und gewaltbereiten europäer bei ihren gewalttätigen eroberungen der neuen kontinente. vielleicht ist das schlechte gewissen die saat der angst? müssen wir jetzt für unsere vergangenheit bezahlen? mehr hierzu: https://campogeno.wordpress.com/2015/08/29/fluechtlingsansturm-wir-bezahlen-fuer-unsere-vergangenheit/

  5. Christina schreibt:

    Das kann ich genauso unterschreiben! Danke für dein Statement!! Viele Stimmen ergeben einen Chor – irgendwann wird sie niemand mehr überhören können, die Stimme der bislang schweigenden Mehrheit.

  6. craftyneighboursclub schreibt:

    Deine Posts sind immer genau wie dein Blogname liebe Katja; mitten rein ins Herz! Da passen sie auch gut hin. Danke für diesen ehrlichen Beitrag und deine Worte. Es tut gut helfen zu können, auch ganz konkret. Die Reichweite der Blogger ist ein klasse Tool noch mehr Menschen zu bewegen nachzudenken und zu handeln. Ob im Kleinen, durch eine Sach- oder Geldspende oder direkt vor Ort in den Camps. Die Flüchtlinge von heute sind vielleicht die Ärzte von morgen….Herzliche Grüße, Jule von Craftyneighboursclub

  7. Ulli schreibt:

    Du bringst es auf den Punkt. Und auch das „paar Fahrräder“ gibt es in unserer Gegend recht häufig. Man kann eh nur mit einem fahren…
    Ich habe noch aussortierte Kleidung, die ich immer noch nicht weggebracht habe… Wird echt mal Zeit. Hast du eine gute Adresse, wo man es hinbringt? Ich wüsste gerade nur das DRK…

  8. Maureen schreibt:

    Ich hab auch heute einen Post über das Thema geschrieben.
    Du hast so recht!
    Nur im letzten Punkt muss ich widersprechen: Ich hab letztens erst erfahren, wie es war, als meine Mutter in den Westen kam – aus der Sicht einer Dorfbewohnerin. Das Dorf wusste ganz genau, wer aus dem Osten kam und die wildesten Gerüchte gingen rum. A la „die ist nur wegen dem Geld da“, „der X lässt sich von ihr ausnutzen, die will an sein Geld“ und solche Sachen. Natürlich sind diese Dinge nicht laut gesagt worden, aber Vorurteile waren immer da.
    Und komischerweise sind es genau die Menschen aus dem Osten, die jetzt in unserer Gegend wohnen (nicht alle!), die auf Asylbewerber schimpfen und sie als Schmarotzer hinstellen…

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